Aminosäuren: Wie wichtig sind sie wirklich?
Aminosäuren: Wie wichtig sind sie wirklich?

Aminosäuren: Wie wichtig sind sie wirklich?

Aminosäuren sind nicht nur die Bausteine, aus denen Eiweiße gemacht sind. Sie sind obendrein für unseren Organismus lebensnotwendig. Wozu unser Körper sie benötigt und welche Wirkung Aminosäuren auf unseren Organismus haben, erfährst du in folgendem Beitrag.

Amino Bausteine

Was sind Aminosäuren?

Bei Aminosäuren handelt es sich um sogenannte organische Verbindungen. Unser Körper ist nur teilweise in der Lage, diese selbst herzustellen, benötigt sie allerdings als essenziellen Proteinbaustein zum Beispiel für die Erneuerung der Haut, den Muskelaufbau und den Aufbau von Zellen des Immunsystems.

Der Tatsache, dass unendlich viele unserer Körperstrukturen aus Aminosäuren bestehen, ist es geschuldet, dass wir diese regelmäßig und in ausreichender Menge mit der Nahrung aufnehmen müssen.

Neben dem Aufbau von Haut und Muskulatur, Knorpel, Sehnen, Haaren, Hormonen und Enzymen sind Aminosäuren unersetzlich für gewisse Körperfunktionen. Dazu gehören beispielsweise der Transport von Nährstoffen im Blut oder die Beförderung von Sauerstoff in der Lunge. Im Grunde würde es uns ohne Eiweiße gar nicht geben.

Außer einem großen Anteil an Wasser sind Eiweiße – und damit eben Aminosäuren als deren Bausteine – der Stoff, welcher in unserem Organismus am zweithäufigsten zu finden ist.

Bekannt sind Aminosäuren den meisten von uns aus dem Sportbereich. Hier spielen sie eine wichtige Rolle aufgrund ihrer Wirkung auf die Muskulatur und die Ausdauer. Mittlerweile entdeckt auch die Ernährungsmedizin immer mehr Stoffwechselvorgänge, die mit einer gezielten Zufuhr von Aminosäuren durchaus unterstützt und positiv beeinflusst werden können.

Kurz gefasst- Die Basics zu den Aminosäuren

Im menschlichen Körper sind insgesamt 22 Aminosäuren zu finden. Aus ihnen werden mehr als 100.000 unterschiedliche Proteine aufgebaut, denen verschiedene Aufgaben zugedacht sind.

Aminosäuren schema
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Zu den vielfältigen Funktionen der Aminosäuren in unserem Körper zählen:

  • Muskelaufbau – Valin, Leucin, Isoleucin
  • Knorpelaufbau – Methionin, Cystein
  • gesunder Schlaf – L-Tryptophan
  • Haarausfall – Methionin, Cystein
  • Gewichtsreduzierung – L-Carnitin (Struktur ähnlich einer Aminosäure)
  • Potenzsteigerung – Carnitin, Arginin, Cystein, Glutathion

Zum besseren Verständnis hat man Aminosäuren in drei Gruppen eingeteilt:

1. Essenzielle Aminosäuren

2. Semi-essenzielle Aminosäuren

3. Nicht essenzielle Aminosäuren

Insbesondere die essenziellen Aminosäuren müssen regelmäßig mit der Nahrung aufgenommen werden, damit unser Körper einwandfrei funktionieren kann. Im Gegensatz dazu ist unser Organismus in der Lage, die nicht essenziellen Aminosäuren selbst zu bilden.

Normalerweise sind wir fähig, die semi-essenziellen Aminosäuren ebenfalls selbst herzustellen. Es gibt allerdings bestimmte Umstände, die es notwendig machen, auch semi-essenzielle Aminosäuren mit der Nahrung aufzunehmen.

Eine weitere Unterscheidung von Aminosäuren geschieht je Form ihrer Struktur:

  • D-Form
  • L-Form

Diese beiden unterschiedlichen Aminosäure-Formen verhalten sich wie Bild und Spiegelbild zueinander. In unserem Körper gibt es ausschließlich die Aminosäuren in L-Form.

Herrscht im menschlichen Körper ein Mangel an Aminosäuren, kann dieser degenerative Prozesse auslösen. Um einen Aminosäure Mangel nachzuweisen, ist ein spezieller Bluttest notwendig.

Proteinogene Aminosäuren und ihre Anwendung

Proteinogene Aminosäuren sind Aminocarbonsäuren, welche die Bausteine der Eiweiße aller Lebewesen ausmachen. Man bezeichnet diese 20 Aminosäuren auch als Standardproteine. In unseren Erbanlagen ist festgehalten, wie genau so ein Körperprotein aufgebaut sein muss.

Proteinogene Aminosäuren

Wichtige Proteinogene Aminosäuren

L-Arginin

Diese Aminosäure fördert den Muskelaufbau, das Immunsystem, die Nierenfunktion und sorgt für die Gesundheit der Prostata.

Cystein

Cystein benötigt unser Körper für den Aufbau von Haut, Haaren und Nägel. In Verbindung mit Hirse und Pantothensäure ist es ein wirksames Mittel gegen Haarausfall.

Methionin

Als schwefelhaltige essentielle Aminosäure kann Methionin zu Cystein umgewandelt werden, das Immunsystem optimieren und als Schwefellieferant für Haare, Nägel und  Knorpel dienen.

L-Glutamin

Diese Aminosäure wird für die Proteinbildung, den Energiestoffwechsel und die Regenerationsfähigkeit benötigt.

L-Tryptophan

L-Tryptophan wandelt unser Körper um zu Melatonin und Serotonin. Die Aminosäure wirkt außerdem obendrein beruhigend auf Nerven und gehört in Deutschland zu den Arzneimitteln.

BCAA

Unter dieser Abkürzung werden die organischen Verbindungen Valin, Leucin und Isoleucin zusammengefasst. Sie unterstützen einen verbesserten Muskelaufbau, verhindern den Muskelabbau und wirken einer frühzeitigen Ermüdung bei einer Ausdauerbelastung entgegen.

Bei welchen Beschwerden helfen Aminosäuren?

In den USA gehören freie Aminosäuren längst zur Bewältigung von Stresssituationen. Bei uns in Deutschland wartet man noch darauf. Allerdings zeigen sich die organischen Verbindungen auch bei anderen Beschwerden hilfreich.

Arteriosklerose

Häufig sorgt eine vermehrte Ablagerung von sogenanntem Plaque in den Blutgefäßen für eine Arteriosklerose. Diese Ablagerungen führen in der Folge zu einer geringeren Durchblutung wichtiger Organe und sorgen dafür, dass Blutgefäße steif und unflexibel werden. Damit gehören diese Ablagerungen unter anderem zu den Auslösern von Bluthochdruck.

Die Aminosäure L-Arginin hilft unserem Körper dabei, die Flexibilität der Blutgefäße zu verbessern und unterstützt damit unter anderem die Regulierung des Blutdrucks.

Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion)

Nicht selten sind auftretende Erektionsstörungen die Folge einer gestörten Gefäßfunktion. Auch hier kann L-Arginin nützlich sein – erhöht es doch die Durchblutung von Gewebsstrukturen, wie denen des Penis.  

Haarausfall

Keratin ist im Grunde eine Bündelung von wichtigen Proteinen. Es gehört zu den vielseitigsten und wichtigsten in der Natur vorkommenden Verbindungen. Keratin verbessert die Haarstruktur von innen und außen, füllt Risse in der Haarfaser auf, regeneriert das Haar und verbessert dessen Elastizität und Haltbarkeit.

Die Aminosäuren L-Cystein und L-Methionin sind an der Bildung von Haar-Keratinen beteiligt und ihre Wirksamkeit gegen Haarausfall wurde mittlerweile durch medizinische Studien bestätigt.

Schlaflosigkeit

Aufgrund der Tatsache, dass unser Körper L-Tryptophan in Melatonin und Serotonin umwandelt, eignet sich die Aminosäure zur Behandlung von Depressionen und Schlaflosigkeit.

Muskelschwund

Leucin– eine Aminosäure, die gerne von Sportlern für den Muskelaufbau verwendet wird – wirkt ebenfalls dem schnellen Abbau der Muskulatur entgegen. Daher kann es unterstützend gegen Muskelschwund bei älteren Personen oder aber bei Menschen mit einer Immobilität aufgrund einer Behinderung eingesetzt werden.  

Allgemein zur medizinischen Anwendung

Bei der künstlichen Ernährung im Rahmen der Intensivmedizin kommen Aminosäuren ebenfalls zur Anwendung. Und auch bei einigen Lebererkrankungen werden sie als Puffer bzw. Stabilisatoren eingesetzt.

Aminosäuren im Sport

Menschen, die regelmäßig Sport treiben, beschäftigen sich in der Regel auch mit einer gesunden Ernährungsweise. Dazu gehören insbesondere Substanzen, die für eine ausgewogene Leistungsfähigkeit wichtig sind. Als bedeutende Energielieferanten gehören Aminosäuren für die meisten Sportler automatisch dazu.

Aminosäuren im Sport

Kraftsport

Im Kraftsportbereich geht es kaum ohne BCAA – einer Kombination aus Leucin, Isoleucin und Valin und natürlich L-Arginin. Wobei der Fokus neben dem Muskelaufbau ebenfalls auf der Durchblutungsförderung durch L-Arginin liegt.

Ausdauersport

Die Regenerationsphase spielt im Ausdauersport eine wichtige Rolle weshalb Sportler in diesem Bereich nicht nur auf die Energieträger BCAA und Ceratin setzen. Sie bemühen sich obendrein um eine ausreichende Versorgung mit L-Carnitin. In mehreren Studien konnte man den verkürzenden Effekt der Aminosäure auf die Ausdauerphase nachweisen.  

Warum Aminosäuren in der Kosmetik?

Auch die Kosmetikbranche nutzt seit geraumer Zeit die hohe Wirksamkeit der Eiweißbausteine, sodass diese beispielsweise in vielen Hautpflegeartikeln und Shampoos zu finden sind. Inwieweit die Aminosäuren bei der Anwendung durch den Körper aufgenommen werden, ist noch nicht vollständig geklärt.

Die 20 proteinogenen Aminosäuren und ihre wesentlichen Eigenschaften

In der folgenden Tabelle findest du die 20 proteinogenen  Aminosäuren mit ihren wesentlichen Eigenschaften und Funktionen:

AminosäureAbkürzungFunktion
L-AlaninAlafördert Muskelaufbau, Immunsystem und Nierenfunktion und die Gesundheit der Prostata
Al-ArgininArgreguliert Durchblutung (=> bei Arteriosklerose und erektiler Dysfunktion), Immunsystem, Baustein des Spermas, verbessert Insulinsensitivität, hochdosiert (>7 g/Tag) fördert es auch die Ausschüttung von Wachstumshormonen.
L-AsparaginAsnEnergiestoffwechsel
AsparaginsäureAspEnergiestoffwechsel, Neurotransmitter, Ausgangsstoff für industriellen Aspartam (Süßstoff)
L-CysteinCysHaut, Haare, Nägel, Gelenkknorpel, gemeinsam mit Hirse und Pantothensäure wirksam gg. Haarausfall
GlutaminsäureGluwichtiger Neurotransmitter, geschmacksverstärkend, Muskelaufbau, Immunsystem – auch bekannt als Glutamat
GlycinGlyNeurotransmitter im Nervensystem, Geschmacksverstärker
L-HistidinHisAusgangsstoff für Histamin, Glutamat, Hämoglobin, reguliert Wundheilung, entzündungshemmend, blutdrucksenkend
L-IsoleucinIleBCAA: Energieträger, Aufbau Muskelmasse
L-LeucinLeuBCAA: Energieträger, Aufbau Muskelmasse
L-LysinLysHerpes-Prophylaxe, wirkt beschleunigend bei Medikamenten, Verbesserung der Insulinsensitivität
L-MethioninMethschwefelhaltige essenzielle Aminosäure, kann zu Cystein umgewandelt werden, optimiert Immunsystem, Schwefellieferant für Haare, Nägel, Knorpel
L-PhenylalaninPhebeteiligt an Synthese von Adrenalin, Noradrenalin, L-Dopa, PEA und Melanin, Ausgangsstoff für Dopamin
ProlinProBildung der Kollagenstruktur und der Hautbildung
SerinSerproteinogen, nicht essenziell, spielt bei Vielzahl von Enzymaktivitäten eine Rolle
L-ThreoninThressenzielle proteinogene Aminosäure, erhöht Biowertigkeit pflanzlicher Aminosäure, in künstlicher Nahrung enthalten
L-TryptophanTrpstimmungsaufhellend, wird im Körper zu Melatonin und Serotonin umgewandelt, wirkt beruhigend auf Nerven, Arzneimittel in Deutschland
L-TyrosinTyrnicht essenzielle proteinogene Aminosäure, Vorläufer von Dopamin und Norephedrin, Einfluss auf Stimmung eher gering
L-ValinValverzweigtkettige Aminosäure (BCAA): Energieträger, Aufbau Muskelmasse
L-GlutaminGlnProteinbildung, Energiestoffwechsel. Regenerationsfähigkeit

Fazit

Aminosäuren sind essenziell für einen gesunden und gut funktionierenden Organismus. In bestimmten Situationen ist es notwendig, für eine zusätzliche Zufuhr dieser Lebensbausteine zu sorgen, um körperliche Beschwerden und Mangelerscheinungen zu vermeiden. Vor allem dann, wenn aufgrund einer unausgeglichenen oder einseitigen Ernährung oder Lebensweise die Versorgung mit lebensnotwendigen Eiweißen nicht gegeben ist.  

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